Unsere Geschichte

1568

wurden die Privilegien der Schützengilde erneuert und bestätigt. Der Gildemeister trägt als Abzeichen seiner Würde ein gar köstliches Kleinod, so auf dem Rathaus verwahrt wird.

1626

Am 25. Juni 1626 plünderten Tillysche Truppen das Rathaus und raubten unter anderem auch dieses Kleinod.

1645

wurde die Schützengilde neu formiert (Bürgergarde).

1701

Am 23. 8. 1701 beteiligte sich die Gilde an einer Strafexpedition gegen die Einwohner von Bebendorf und Döringsdorf, welche mit der an die Stadt zu zahlenden Kontribution im Rück- stand waren und deren, Zahlung verweigerten. Sie nahmen den Eichsfeldern mehrere Stück Vieh weg.

1705

Wiederholt wurde sie zum Vertreiben von Zigeunerbanden und Marodeuren aufgeboten und mußte zu dem Zweck die umliegenden Wälder abstreifen, ja manchmal ganze Nächte hindurch unter Gewehr bleiben. Der Schützengilde konnten nur unbescholtene Personen, welche das Bürgerrecht besaßen, angehören. Der Hauptmann der Gilde mußte vom "regierenden" Bürgermeister bestätigt werden. Für die Zeit ihrer Amtsdauer waren Hauptmann und Schützenkönig von allen Steuern frei. Schützen- kette und Ehrenbecher wurden dem Schützenkönig vom Rat feierlichst verliehen. Das Fest währte eine volle Woche, und zwar vom zweiten bis einschließlich dritten Sonntag im Juli. Auch auswärts wohnende Schützen konnten Mitglieder des Schützenvereins werden. Sie rekru- tierten sich aus Eschwege, Treffurt, Bebendorf, Döringsdorf und Großtöpfer. Anfänglich fand das Schießen in Zelten statt, später wurde eine Schützenhalle errichtet. Zielobjekt war neben einigen Scheiben der Schützenvogel, der nun durch Jahrhunderte hin- durch mit der Geschichte der Stadt Wanfried eng verbunden ist.

1728

Ein besonderes Glanz- und prachtvolles Vogelschießen fand statt. Wanfried ist Residenz. Der regierende Landgraf Wilhelm von Hessen-Wanfried, ein sehr leutseliger Herr, nimmt regen Anteil an dem Leben und Treiben seines Städtchens. Zu diesem Fest flattert auf dem Dach- giebel des Schlosses die Fürstenfahne. Galawagen mit reich betreßten Kutschern und Dienern treffen im schattigen Schloßhof ein. Hohe Gäste sind es, die seine Fürstliche Gnaden begrüßt: der Kronprinz Karl von Sardinien, die Prinzessin Polyxene Christiane Johanna von Hessen, die Fürstin Ragoczy von Siebenbürgen mit Kindern, Leibdienern, Kammerzofen und sonstigem Gefolge. Landgraf Wilhelm begrüßt die eben eingetroffenen Gäste. Alle Straßen und Gassen sind gefüllt mit schaulustigen Menschen, die von Polizeidienern in Schach gehalten werden. Treibt die Neugier doch einige zu weit vor, spricht die Karbatsche des Bettelvogts ein ernstes und heilsames Wörtlein. Vor dem Schloß, dem Rathaus und den Stadttoren sind die Wachen in Paradeuniform mit weißen Gamaschen und Haarbusch aufgezogen. Böllerschüsse erschallen und Stadtmusikus Gebauer stimmt mit seiner Kapelle einen feierlichen Choral an. Inzwischen versammeln sich im Rathaus- saal der Amtmann Weber, Oberbürgermeister Johann Werner Lange, Unterbürgermeister Job. Chr. Jabob, die Räte Walter Hille und Geise, Schloßpächter von Wangenheim, Kommissarius Meisterlin, Pfarrer Krause, Rektor Sippel, Kantor Sander, Stadtschreiber Nachtigall und die Ratsverwandten. Die Schützengilde nimmt Aufstellung. Das Königszeichen wird dem Schützenkönig überreicht. Die Stadtdiener bringen die Fahne unter präsentiertem Gewehr herbei. Dann geht der Schützengildenzug hinaus auf den alten Griesgraben zum Königsschießen. Ein Herold eröffnet den Festzug. Ihm folgen in roter Kleidung mit rotem Barett und weißer Feder vier Zieler, jeder mit einer Armbrust versehen. Dann kommen die städtischen Behörden, die Schützen, die Gilden, die Innungen und Zünfte und sonstigen Festteilnehmer. Ein Kanonenschuß eröffnet den Beginn des Königsschießens. Der Griesgraben ist ein wehertdes, wallendes Zeltlager, Zeitgassen führen nach dem Hauptzelt der Schützengilde. An dieses stößt, mit besonderer Pracht ausgebaut, das Fürstenzelt. Die fürst- lichen Herrschaften sind alle anwesend. Der Weinschenk Johann Uckermann liefert das köstliche Naß. Die Musik spielt und die Paare drehen sich. Da fällt der Meisterschuß. Er bringt dem ehr- samen Bürger Timotheus Rexrodt die Königswürde ein. Der Glückliche wird vor das Fürstenzeit gerufen, beglückwünscht, mit einem Ehrentrunk belohnt und in besonderer Huld durch die Prinzessin Polyxene Christiane Johanna mit einer Tanzrunde geehrt. Der Kronprinz von Sardinien verfolgt diesen Tanz mit besonderer Freude. Im Schloß der Residenzstadt Wanfried feiern die fürstlichen Herrschaften bis tief nach Mitter- nacht und feiern die Verlobung der Prinzessin Polyxene Christiane Johanna von Hessen mit dem Kronprinzen von Sardinien. Der damalige Hauptmann der Schützengilde war der Sodförster "Schmoll". Aus jener Zeit stammt der Schellenbaum, der mit der Errichtung der Wanfrieder-Bürgergarde zum Mittelpunkt, zum Symbol begeisterter Marschkolonnen und froh bewegter Festzüge wird. Dieser Schellenbaum ist in Mühlhausen (Thüringen) gebaut worden, er hat eine pyramiden- förmige Gestalt, seine Maße sind: 1 Meter breit und 2 Meter hoch. Das metallene Gehäuse trägt orientalisches Gepräge. Zwei roßschweifgezierte Halbmonde, eine Fürstenkrone, Sonne und Sterne werden von dem Hessischen Löwen gekrönt. Vierundzwanzig Silberglöckchen ertönen zwischen den Klängen der Marschmusik. Generationen auf Generationen führte er hinaus auf den Festanger und sah auch die Lorbeer- kränze der heimkehrenden Krieger 1870/71.

1759

in den Jahren 1759, 1760, 1761 war Wanfried Frontstadt und wechselte viele Male den Besitzer. Bald hielten es die Franzosen, Kaiserlichen und Nassauer besetzt, bald befreiten es die Preußen, Hannoveraner oder Hessen. Am 8. November 1759 wurden die dort liegenden kaiserlichen Dragoner von preußischen Dragonern überfallen und zurückgeworfen bis nach Creuzburg. Am 30. November 1759 eroberten die Kaiserlichen das Städtchen zurück. Es war eine Zeit von Not, Armut, Furcht, Schrecken und Brutalität, so schreibt die Chronik der Stadt Wanfried.

1807

mußte die Schützengilde auf Napoleons Geheiß ihre Gewehre und auch ihre "Kanons", womit dem Landesfürsten Salut geschossen wurde, abgeben. Wiedergesehen hat sie niemand. Später erhielt die Gilde einen Böller zum Salutschießen.

1837

Chef der Bürgergarde von Wanfried war Hauptmann Martin Ungewitter (geb. 17. 6. 1785 - gest. 11. 2. 1837)

1839

werden für die Bürgergarde Exerzierplätze und Scheibenstände eingerichtet.

1868

fand wieder eine Neuorganisation statt. An der Spitze stand der Hauptmann, der alljährlich neu gewählt wurde. Die ersten Hauptleute waren Sendelbach und Chr. Böttcher, die sich mehrere Male ablösten. Dem Hauptmann zur Seite stand der Leutnant. Leider sind Ende des Jahrhunderts die Bezeichnungen "Hauptmann" und "Leutnant" in ersten und stellvertretenden Vorsitzenden umgewandelt worden. Das Amt des Schriftführers ist ehrenamtlich. Dagegen erhalten Kassierer und Schützendiener eine Entschädigung pro Jahr von 6 bzw. 7 Talern. Die Aufnahme neuer Mitglieder wird durch "Ballotage" vollzogen (Abstimmung mittels weißer oder schwarzer Kugeln). Bis 1902 lag nur ein einziger Fall der Ablehnung vor. Das Kleid des Schützen ist anfänglich der Bürgerrock. Erst Ende des Jahrhunderts werden Schützenjoppen aus hellgrünem Tuch mit grünen Achselstücken und als Kopfbedeckung Jägerhüte mit Spielhahnfedern eingeführt.

1890

wurde eine Schützenhalle errichtet, die Bauunternehmer Besser für DM 2000,- herstellt. Als 1892 die Cholera in Hamburg ausbricht, genehmigt der Verein die Überlassung der Halle an den Magistrat, um vorkommendenfalls Choleraverdächtige dort unterbringen zu können.

1898

wurden Hinterlader eingeführt. Das Kaliber durfte nicht größer als 12 mm sein. Das Vereinslokal ist der "Löwe", der Vereinswirt Chr. Rexrodt. Zum Salutschießen besitzt der Verein einen Böller, der ihm von Hauptmann Sendelbach geschenkt wurde.

1900

wurden bei dem Bau der Eisenbahn in der Nähe der Schützenhalle große Mengen von Ge- beinen gefunden, die einem der Massengräber aus dem 3Ojährigen Kriege angehört haben. Zwei Eisenbahnwagen voll wurden gesammelt.

1901

Am 21. Mai 1901 wählte die Versammlung den Brauerei-Besitzer Wilhelm Stöbling zu ihrem neuen Hauptmann. Er hat es mit viel Humor und noch mehr Interesse verstanden, den Verein über die Klippen des 1. Weltkrieges sowie über den großen Notstand der 20er Jahre hinweg- zuführen. Er gab stets sein Bestes für den Verein und zum Wohle der Stadt Wanfried. Leider schied er aus gesundheitlichen Gründen am 31. Januar 1929 aus und legte sein Amt in die Hände des Fabrikanten Arthur Kalden, ein Onkel des heutigen Hauptmann Peter Kalden. Obwohl Hauptmann Arthur Kalden aus dem 1. Weltkrieg beinamputiert nach Hause kam, war er mit sehr viel Eifer dabei, eine alte Schützentradition fortzusetzen, indem er eine Jungschützen- Abteilung gründete, deren Mitglieder heute die Hauptstütze des Vereins sind.

1935

Als 1935/36 die Spinnhütte gebaut wurde, schichtete man mit Hilfe der ausgehobenen Erde die Schießwälle auf, die bis zum heutigen Tage standgehalten haben. Desgleichen wurden unter der Führung von Hauptmann Arthur Kalden die Schießblenden errichtet, so daß der Stand in Wanfried stets zu den schießtechnisch hervorragendsten Ständen gehört.

1939

Als 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach, lieferte der damalige Schützenkönig und heutige Schrift- führer des Vereins, Gerhard Kessler, die Königskette - wie es in den Satzungen verankert ist - beim Hauptmann ab. Sie wurde während der Kriegsjahre im Tresor der Firma Wanfried-Druck aufbewahrt.

1945

Als die amerikanischen Streitkräfte 1945 in die Stadt einmarschierten, wurde die Kette aus diesem Tresor entwendet. Eine entsprechende schriftliche Bestätigung hierüber vom damaligen Prokuristen der Firma Wanfried-Druck, Herrn Bräutigam, ist im Protokollbuch enthalten. Am 24. August 1945 starb Hauptmann Arthur Kalden in einem Lager.

1950

Bedingt durch die Kriegswirren und die Besatzungszeit ruhte in den Jahren 1945-1950 das Vereinsleben. Der Kommandant der amerikanischen Streitkräfte verbot das Bestehen des Vereins. Sämtliche Waffen wurden dem Schützenverein entzogen und nicht wieder zurückgegeben. Später wurde sogar das gesamte Eigentum des Schützenvereins das Schützenhaus mit 44 ar Grundfläche - vom Land Hessen enteignet. Verschiedene Schützenbrüder sprachen dann im Jahre 1950 den heutigen Ehrenvorsitzenden und Mitverfasser dieser Festzeitschrift - Herrn Otto Tschierschke - an, das Vereinsleben wieder anzuregen. Mit Hilfe des Schützenbruders Konrad Sieland und vielen Bemühungen bei den vorgesetzten Behörden wurde erreicht, daß am 15. Dezember 1950 die Wiedergründungs- versammlung abgehalten werden konnte. Zum Schützenhauptmann wählte man den - für die heute noch Lebenden unvergessen - Pferdekaufmann Paul Pfifferling. Ihm ist es zu verdanken, daß der Schützenverein das enteignete Schützenhaus mit dem Schießgelände vom Land Hessen zurückerwerben konnte. Er kaufte das Gebäude sowie das Grundstück im eigenen Namen und übergab es dem Schützenverein 1568 e. V. Den Betrag hierfür in Höhe von DM 950,- legte er zinslos vor. Unter seiner Führung wurden die Kriegsschäden beseitigt und das Gelände mit Eichenpfählen und Stacheldraht eingefriedet.

1959

wurde der Schützenstand erweitert und die Schützenhalle renoviert. Ein Ehrenmal zum Geden- ken der gefallenen Schützenbrüder in den drei Kriegen 1870/71; 1914/18 und 1939/1945 wurde errichtet und am 5. Juli 1959 eingeweiht.

1961/1962

mußten die beiden Blenden (Traversen) erneuert werden. Die Gesamt kosten beliefen sich auf DM 2000,-.

1963

In den Monaten Mai und Juni 1963 wurden folgende Arbeiten an dem Schützenhaus ausgeführt: Wasseranschluß für das Schützenhaus an das Städtische Wasserleitungsnetz und Erneuerung der Abflußleitung. Beleuchtungsanlage im Schützenhaus erneuert. Schaukasten mit Beleuchtung für Pokale und Preise hergestellt und eingebaut. Kellerfundament für evtl. Erweiterung des Schützenhauses bzw. Vogelstand betoniert. Luftgewehrscheibenzuganlage für Handbetrieb von Schützenbruder Sieland kostenlos geliefert und eingebaut. Pistolenscheibenzuganlage für Handbetrieb eingebaut. Es sind so mit insgesamt 6 Scheibenzug- anlagen vorhanden.

1965

Alle Schützenbrüder und die Bewohner der Stadt Wanfried traf es wie einen Schlag, als bekannt wurde, daß Hauptmann Paul Pfifferling der Tod im Alter von 79 Jahren - am 23. 3. 1965 - ereilt hatte. Als neuen Schützenhauptmann wählte man am 28. Juni 1965 in einer Mitgliederversammlung - die von 68 Mitgliedern besucht war - einstimmig den Schützenbruder - Peter Kalden. - Gleichzeitig wurde für den zurückgetretenen stellvertretenden Vorsitzenden (Leutnant) Konrad Sieland der Schützenbruder, Stadt-Hauptsekretär Willy Knigge einstimmig gewählt.

1966

wurde die Schützenhalle in der gesamten Tiefe mit einer Breite von etwa 2,50 m zur Südseite (Bahnkörper) hin erweitert. Die Gesamtkosten betrugen DM 12.000,-, worin die Eigenleis- tungen der Mitglieder durch freiwilligen Arbeitsdienst von rd. DM 4000,- nicht enthalten sind. Der derzeitige Hauptmann Peter Kalden leitet die Geschicke des Vereins mit jugendlichem Schwung und Elan. Ihm ist es zu verdanken, daß die im Jahre 1952 in Eigenleistung erstellte Einfriedung erneuert werden konnte. Hauptmann Peter Kalden hat das gesamte Material für die Umzäunung, die aus Maschendraht und Eisenpfosten besteht, gestiftet. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß die Schützenbrüder in freiwilliger Arbeitsleistung sämtliche Arbeiten ausge- führt haben.

1967

Das Jahr 1967 stand zum großen Teil bereits im Zeichen der 400Jahrfeier des Jahres 1968. Es ist ganz besonders hervorzuheben, daß der Juniorenschütze Gunther Sieland als erster des Vereins an den Landesmeisterschaften in Wiesbaden teilnehmen durfte. Nach dem sehr fröhlichen Festgeschehen im Jahre 1967 begann der Ernst der Arbeit mit dem Bau der neuen Toilettenanlage beim Schützenhaus. Noch vor Einbruch des Winters konnten die Rohbauarbeiten mit Hilfe von Eigenleistungen zum Abschluß gebracht werden und bis zur Festwoche anläßlich des 400-jährigen Bestehens wird die Fertigstellung gesichert sein. An dieser Stelle sei Hauptmann Peter Kalden noch einmal besonderer Dank gesagt, da er stets mit tatkräftiger Hand seinem Verein vorangeht. Die Chronik zeigt, daß unser Verein seit 1568 durch Höhen und Tiefen gehen mußte, er aber immer fortbestehen konnte durch die freundschaftlich kameradschaftlichen Bindungen der Schützenbrüder untereinander. Daß es so weitergehen möge, ist unser aller Wunsch und wir wollen uns laufend bemühen, die Voraussetzungen für einen sicheren Fortbestand unseres Schützenverein Wanfried 1568 e. V. zu schaffen.